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Auf der Suche nach seinem Glück, klopfte ein Pilger an die Tür des Palastes, in dem Gott wohnt. Es war schon bemerkenswert, dass er es bis dorthin gebracht hatte, denn viele Menschen, die er unterwegs getroffen hatte, schienen alles über diesen Palast zu wissen, auch wenn niemand sagen konnte, bereits dort gewesen zu sein. Vielleicht auch, weil sie nicht wirklich danach gesucht hatten, dachte er, als er nach einer lebenslangen Suche die Tür des Palastes erkannte und öffnete.


Glück, so wurde ihm immer wieder gesagt, ist nur für diejenigen, die auf Gott hören und nach seinem Willen leben. Wenn nicht würden schmerzhaften Strafen folgten, sagten sie, die wirklich dachten dass sie es wüssten. Und sie fügten oft hinzu, dass Gott gerecht ist, und als er strafen würde, er das nur aus reiner Liebe tat.

 

Unser Pilger musste dabei immer die Augenbrauen runzeln und manchmal sogar schlucken, denn nach seinem Empfinden stimmte hier etwas nicht. Entweder, so fühlte er, ist Gott Liebe und bestraft nicht, oder Gott bestrafft und kann nicht Liebe sein.

 

Um herauszufinden, was Gottes Wille ist, las er viele Heilige Bücher aus vielen Regionen und verstand zunehmend weniger und weniger. Diese Bücher hatten manchmal sehr widersprüchliche Ansichten, musste er feststellen. Und doch wurde jedes Buch von den treuen Lesern als die einzig wahre Schrift und als die absolute Wahrheit deklariert. Das lag daran, dass Gott es selbst geschrieben hatte, so sagten sie triumphierend, als wollten sie sich damit selbst überzeugen.

 

Immer, wenn er so was hörte, musste er seine Augenbrauen noch mehr runzeln, weil Gott doch nicht jeden Tag eine andere Sichtweise haben konnte. Diese Bücher brachten ihn also nicht weiter, obwohl er spürte, dass in all diesen Werken hier und da auch Wahrheit steckte.

 

Eines Tages traf er einen Fremden. Es geschah einen Tag vor Weihnachten bei einem langen Spaziergang durch den Schnee. Er hatte sich verirrt und es war schon Abend. An einer Weggabelung wusste er nicht, wohin er gehen sollte, als er jemanden sah, der sich von rechts näherte. Es stellte sich heraus, dass es sich um einen Mann mit kurzem Bart handelte, der einen langen Mantel unter einem breiten Hut trug.

 

Der andere hatte ihn sicher schon stehen sehen, denn er hielt an, begrüßte ihn und fragte, ob er vielleicht helfen könne. "Ich würde viel dafür geben," sagte der Pilger, "aber ich fürchte, das wird sehr schwierig werden, denn ich bin auf dem Weg zum Palast Gottes und weiß nicht, ob ich hier links oder rechts abbiegen muss".

 

Der Fremde lächelte und sagte: "Schauen Sie nicht weiter, lieber Freund, denn Sie sind schon da. Ja, hier inmitten des Waldes. Auch hier im Wald, denn du trägst es immer in deinem eigenen Wesen mit dir herum. Der Palast Gottes ist tief in deinem eigenen Herzen zu finden und du brauchst nichts und niemanden, um an seine Tür zu klopfen. Und die Tür ist immer offen für jeden, dem es gelingt, die Schwelle zu erreichen.

 

Es gab eine Schweigeminute, denn der Pilger musste diese Worte durchdringen lassen und auch noch verarbeiten. "Wie komme ich zur Tür des Palastes? ", fragte er schließlich. Der Fremde antwortete: "Das ist ganz einfach. Schließen Sie die Augen, konzentrieren Sie sich auf Ihre Atmung und werden Sie innerlich stille. Sie spüren dann, dass Sie immer tiefer und tiefer in sich selbst vordringen, bis es langsam Licht wird. Licht in ihrem inneren Raum, Licht in ihrem Herzen. Dann spüren Sie diesen Palast tief in ihrem Herzen. Anschließend klopfen Sie in Gedanken an die Tür, um sie zu öffnen. Ja, Sie öffnen die Tür selbst, indem Sie anklopfen. Gott wartet geduldig, bis jeder Mensch an seine Tür geklopft hat.

 

Wiederum brauchte der Pilger einen Moment, um das wirklich zu verstehen. "Und soll ich für ihn auf meine Knien beten?" fragte er. Denn in diesem Palast musste man ewig beten um Glücklich sein zu können, so hatte man es ihm immer wieder gesagt. "Beten ja," war die Antwort, "aber nicht unbedingt auf den Knien, auch wenn es ab und zu nicht wehtun kann. Und vergessen Sie das ewige, denn dazu gibt es im Palast noch so viele andere Dinge zu erfahren. Regelmäßiges Beten genügt ganz und gar.

 

"Und wie soll ich denn beten?", war die nächste Frage. Der Fremde sagte, jeder müsse das aus seinem tiefsten Gefühl heraus tun und er könne ihm diesbezüglich nicht wirklich weiterhelfen.

 

"Ich kann Ihnen sagen, wie ich es mache. Ich begegne Gott, indem ich ständig alles, was mich bewegt, mit ihm teile. Stellen Sie sich das so vor: Ich nähere mich Gott nicht, um irgendetwas zu fragen. Ich denke an ihn und danke ihm für alles, was geschehen ist. Ich danke auch für alle Erfahrungen, die ich erlebt habe, für die angenehmen, sowie für die peinlichen Situationen. Dadurch erhalte ich tiefe Sicherheit. Das ist die Gewissheit, dass ich ständig in Gottes Hand sitze und ständig geführt werde und dass mir nichts schaden kann und ich nur das erlebe, wodurch ich lernen und weiter wachsen kann. Diese Einsicht hat mir unzerstörbare Sicherheit und Selbstvertrauen geschenkt.

 

Und ich habe diese Hand Gottes bereits körperlich und stundenlang gespürt. Es war nach einer tiefen Meditation und es fühlte sich wirklich an, als säße ich in einer großen Hand, gewiss ein Geschenk des Schöpfers, um zu bestätigen, dass alle Menschen sich immer in seiner Hand befinden und verstand, dass wir allen Teil von Gottes Hand sind und dass wir nie herausfallen können, auch wenn es so aussieht, als ob wir ihm gelegentlich durch die Finger gleiten. Wir können es uns auch so vorstellen, dass wir alle ein Finger auf der Hand Gottes sind.

 

Menschen, die Dinge besitzen möchten, bleiben in einem Energiefeld des Mangels stecken. Ich danke einfach für alles, was ist, für das, was ich habe und für das, was ich nicht habe. Deshalb bekomme ich anschließend immer Anweisungen für meinen nächsten Schritt zu einem noch tieferen Glück. So bete ich und so werde ich immer glücklicher."

 

Bist Du immer noch nicht genügend glücklich?", fragte der Pilger. "Oh, ich fühle mich sehr glücklich," war die Antwort, "aber es kann immer besser und tiefer sein. Tatsächlich bin ich kein Glücksjäger, sondern konzentriere mich auf das, was in jedem Moment gegeben ist, und versuche, so bewusst und liebevoll wie möglich damit umzugehen, und das macht mich selbst glücklich.

 

Das Problem", fuhr er fort, "ist, dass die meisten Menschen mit ihren Gedanken entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft verweilen und sich deshalb der Kraft und dem Potential des Augenblicks nicht bewusst werden. Deshalb leben diese Menschen immer in Illusionen, weil die Vergangenheit nicht mehr da und die Zukunft noch nicht vorhanden ist. Und so bleiben sie im Nichts zurück, obwohl sie denken in der Realität zu leben. Leider geht auf diese Weise ein Moment nach dem anderen verloren.

 

Wir können die Realität nur wirklich erfassen, wenn wir in jedem Moment bewusst präsent sind, um das Beste daraus zu machen und uns dabei selbst immer treu und authentisch bleiben. Und das tun wir, indem wir nur nach unseren Gefühlen und nicht nach unserem Verstand leben. Auf dieser Weise habe ich mein jetziges Glück gefunden.

 

Früher habe ich zum größten Teil gelebt, um mich zu fragen, was die anderen von mir erwarteten und meinte, dass es meine Pflicht war, dies so gut wie möglich zu tun. Aber allmählich wurde ich immer unglücklicher, während die anderen immer mehr von mir verlangten. Und ich sah, dass sie, indem ich mich dabei selbst vergaß, sichtlich nicht besser wurden. Im Gegenteil."

 

"Das kommt mir bekannt vor", sagte der Pilger und dachte an seine eigenen Erfahrungen.

 

“Eines Tages hatte ich wirklich genug davon und beschloss damit aufzuhören und einfach nur das zu tun, was ich innerlich zu tiefst spürte tun zu müssen", fuhr der Fremde fort. “Das war für mich der erste Schritt aus einem wahren Gefängnis in die wahre Freiheit hinein. Meine Umgebung war entsetzt und machte während einiger Zeit ein wahres Drama daraus und alle meinten, ich wäre jemand, der sich nicht mehr um seine Pflichten kümmerte.

 

Aber nach einer Weile fingen sie an, positiver zu reagieren, indem sie sich selbst veränderten. Sie ließen immer mehr Erwartungen los und begannen meinem Beispiel Schritt für Schritt zu folgen und wurden auch freier, fröhlicher und glücklicher.

 

"Erklärt mir Gott, was Glück ist?" fragte der Pilger. "Der Weg zum Glück führt immer durch Wahrheit und Liebe", sagte der Fremde.

 

Es begann wieder zu schneien, aber beide Männer schienen es nicht zu bemerken.

 

"Lassen Sie uns zunächst einmal über die Wahrheit sprechen" sagte der Fremde. “Gott sagt immer die Wahrheit, er kann nicht anders, denn er ist die Wahrheit. Und die Wahrheit, die er sagt, ist, dass die Wahrheit nur in Dir selbst gefunden werden kann. Deine Wahrheit wird immer durch deine tiefsten Gefühle in jeder Situation angezeigt.

 

Wahrheit hat auch mehr mit handeln, als mit wissen zu tun. Gewiss ist das Wissen notwendig, um die Wahrheit in deinem Leben ausdrücken zu können, um die Wahrheit leben zu können. Es geht also darum, Wahrheit zu tun, Wahrheit zu sein. Und so landet man automatisch in bedingungsloser Liebe, denn das bringt 'die Wahrheit Leben' mit sich. Und in der bedingungslosen Liebe liegt auch das Glück, denn es ist immer Teil davon. Liebe, wahre, bedingungslose Liebe ist in der Tat das, worum es geht, und das schließt alles mit ein, Bewußtsein, Freiheit, Wahrheit und Glück. Sie müssen hier nicht nach links oder rechts abbiegen. Geh einfach dahin zurück, wo du herkommst, aber geh bewusst zurück.”

 

"Ja", sagte der Pilger. "Ich gehe mit neuen Einsichten zurück. Tausendmal Dank, Fremder. Ich danke Gott dafür, dass ich Euch getroffen habe. Was für ein Zufall!

 

"Zufälle gibt es nicht", sagte der Fremde und nahm den linke Pfad um seinen Weg zu folgen.

 

Der Pilger entschied sich tatsächlich, den Weg von dort, wo er hergekommen war, zurück zu nehmen. Er war tief in seinen Gedanken versunken und bemerkte kaum, dass der nasse Schnee langsam in Regen überging. Es wurde ihm kalt und er bemerkte seinen durchnässten Mantel. Etwas weiter sah er ein Bauernhaus, etwas abseits der Straße. Es schienen viele Lichter durch die Fenster und es gab eine Scheune neben dem Haus mit einem hervorragenden Dach. Er entschied sich dort Unterschlupf zu suchen. Mit dem Rücken gegen das Tor konnte der Regen ihn nicht mehr erreichen. Nach etwa einer Viertelstunde öffnete sich die Tür des Hauses und jemand kam heraus der eine Kiste an die Fassade stellte. Mit leeren Flaschen, dachte der Pilger, denn es klingelte wie Glas. Dann bemerkte der Mann unseren Pilger und ging auf ihn zu.

 

"Sie schützen sich sicherlich vor dem Regen", sagte der Bauer, "kommen Sie doch herein, da ist es warm und Sie können den nasses Mantel am Herd trocknen. Der Pilger dachte nicht lange nach, dankte dem Bauern für seine Einladung und folgte ihm nach drinnen, wo etwa zwölf Personen an einem langen Tisch saßen und aßen. Der Bauer erzählte den Anwesenden, dass er den Gast an der Scheune gefunden habe und ihn eingeladen habe, sich zu wärmen und zu trocknen. Anschließend nannte er abwechselnd die Namen aller Anwesenden und fragte auch nach seinem Namen. Dann fügte er einen Stuhl hinzu, stellte einen Teller auf den Tisch, füllte ihn mit Kartoffeln, Gemüse und einem Stück Fleisch und sagte: "Willkommen Fremder, esse und trinke mit uns", während er auch noch ein Glas Bier vor ihn hinstellte.

 

Nun war der Pilger überzeugter Vegetarier und trank auch keinen Alkohol. Aber plötzlich erinnerte er sich daran, dass er irgendwo gelesen hatte, dass Jesus, als er nach vierzig Tagen fasten aus der Wüste kam, eigentlich kein Essen mehr brauchte, aber immer noch ab und zu aß, wenn er liebevoll dazu eingeladen wurde. Er nam dann immer alles was auf dem Tisch kam. "Wer bin ich ", so dachte er, " um diesen guten Menschen ihre Nahrung zu verweigern? Das kann ich nicht machen und So aß er Fleisch, trank Bier und genoss es. Nach dem Abendessen bekam er noch einen Schnaps, den er sehr langsam trank, während die Alkoholtröpfchen intensiv auf seine Zunge brannten.

 


"Jetzt sagen Sie uns, woher Sie kommen und wohin Sie gehen ", fragte der Bauer. "Zunächst möchte ich mich bei allen für die Einladung und Begrüßung, für das Essen und Trinken recht herzlich bedanken. Ihre Gastfreundschaft hat mich sehr berührt. Und was ihre Frage betrifft, weiß ich nicht, ob Sie mir folgen können" ,sagte er, "aber ich suche den Palast in dem Gott wohnt, und erst heute habe ich konkrete Hinweise erhalten, wo ich ihn finden kann."

 

"Dass Gott in einem Palast lebt, davon habe ich noch nie gehört", sagte der Bauer. "Für mich wohnt er in der Erde, denn er macht sie fruchtbar. Er lebt auch im Korn und in alle andere Gewächse, die ich anbaue."
"Er lebt auch in den Kühen und in den Schweinen, die uns mit Milch und Fleisch versorgen, damit wir genug zu essen haben", fügte die Bäuerin hinzu, die sich um das Melken kümmerte.

 

Eine der anderen Anwesenden, eine Frau, sagte: "Für mich lebt er in meinem Mann, weil er mit mir und unseren Kindern so lieb ist, dass ich manchmal davon Tränen in die Augen bekomme. Aber ich habe auch noch nie von einem Palast gehört."
Ihr Mann, der neben ihr saß, ergriff das Wort, sah seine Frau an und sagte: "Ich tue nichts Besonderes, ich mache nur das, was mir wirklich gefällt". Und er umarmte sie.

 

Unser Pilger fühlte sich aufgerufen, zu antworten und sagte: "Ich kann Euch folgen, das gibt mir eine andere Sicht auf diese Dinge. Ich danke für eure Erklärungungen", und dachte: " Diese Leute haben den Palast bereits gefunden, ohne es zu wissen. Sie brauchen wirklich nicht mehr, denn sie alle scheinen liebevolle Menschen zu sein, glücklich, fröhlich und lebensfroh und genießen das Leben in vollen Zügen. Ich kann mir davon ein Beispiel nehmen”.Er selbst lebte eher zurückgezogen und kannte wenig Freude, da er fast ständig damit beschäftigt war, anderen Menschen auf jede erdenkliche Weise zu dienen und zu helfen.

 

Unser Pilger stand auf und sagte, er wolle weitergehen. Er gab jedem eine Hand und schließlich auch dem Landwirt, dem er noch einmal dankte. An der Tür sagte dieser: "Etwas weiter links gibt es eine Straße, laufen sie die bis zum Ende, denn da liegt rechts ein Haus eines Mannes, der viel über Gott weiß. Vielleicht kann der Ihnen weiterhelfen."

 

Der Pilger dachte, warum nicht? Das alte Haus war leicht zu finden, er klopfte an, und ein junger Mann öffnete ziemlich schnell und sah ihn an, ohne etwas zu sagen. "Sind Sie der Mann, der viel über Gott weiß?" fragte der Pilger. Mit einem breiten Grinsen, antwortet der: "Das stimmt, denn Gott, das bin ich selbst, aber komm rein, dann können wir darüber weiter reden. Nicht nur bin ich Gott, sondern du bist auch Gott, jeder ist Gott, aber die Menschen haben es vergessen, und es ist an der Zeit, dass jeder anfängt, sich daran zu erinnern.

 

Und das Wort selbst hat seit seiner Ursprung schon die notwendige Hinweise gegeben: sich er-innern ist ins Innere zurückkehren". sagte der junge Mann, "Wenn Du Dich er-innerst, dann kommst Du letztendlich in einen großen Raum, in den Raum deiner Seele. Es handelt sich um einen außergewöhnlich schönen Raum, der nach eigenem Geschmack gestaltet werden kann.

 

Aber die Räume der Seele aller Menschen haben eines gemeinsam: In der Mitte ist immer ein großes Licht. Es ist das Licht deiner Seele, in das Du einsteigen kannst, um dein Energiesystem wieder aufzuladen. Wenn Du nach einer Weile mit dem Licht verschmilzt und Licht wirst, dann hast Du an die Tür von Gottes Palast geklopft, und damit hat sich die Tür von selbst geöffnet für all das, was Du mit deinem Schöpfer zu besprechen hast.

 


Der Pilger spürte blitzschnell, dass er hier in den Kern seines Problems eingedrungen war und sah die Lösung fast vor sich. Ich habe immer noch eine Frage, denn eines ist noch nicht klar, wie kann ich mich wieder er-innern, wie betrete ich diesen inneren Raum? Was ist dafür notwendig?

 

Die Antwort kam sofort: "Schließe einfach die Augen, konzentriere Dich auf deine Atmung und werde innerlich ganz still. Du spürst, dass Du immer tiefer und tiefer in Dich selbst hineindringst, bis es langsam Licht wird. Licht in deinem inneren Raum, Licht in deinem Herzen. Dann spürst du diesen Palast sehr tief in deinem Herzen.

 

"Ja, das ist das zweite Mal, dass ich das höre," dachte der Pilger. Also muss es auch stimmen, wenn der Mann es sagt, der Gott ist. Er umarmte den Mann, der Gott ist und verließ ihn. An der Tür sagte er noch: "Wenn es nicht geregnet hätte, wäre ich nie hierher gekommen. Was ein Zufall!"

 

"Zufälle gibt es nicht", antwortete der junge Mann, während er die Tür schloss.

 

Es hörte auf zu regnen und nach einer Weile erreichte er den Rand der Stadt, in der er lebte. Im Zentrum, in der Nähe der Kirche, saß ein alter Bettler. Er suchte in seinen Manteltaschen nach Kleingeld, aber sie waren leer. Er hatte nur noch ein paar große Noten und fragte sich, ob er wegen Weihnachten eine in den Hut des Mannes stecken sollte. Dann kam er auf andere Gedanken und sagte: "Morgen ist Weihnachten, ich lade Sie zu einem Weihnachtsessen im Restaurant eines Freundes ein". Dieser Freund würde den Mann in seinen zerlumpten Kleidern in seiner Begeleitung wohl nicht die Tür weisen.

 

Der Bettler nahm das Angebot an, und gemeinsam machten sie sich auf dem Weg. Es waren noch nicht viele Leute im Restaurant. Die andere Gästen reagierten etwas verwundert, als der Bettler vorbeikam. Und doch begrüßte jeder sie höflich. Sie nahmen Platz an einem Tisch für zwei Personen in einer Ecke. Der Pilger fragte, was der andere essen wolle. "Eine Kleinigkeit", sagte dieser. "Ich bin nicht wirklich hungrig, weil ich schon gegessen habe. Übrigens, ich bin kein richtiger Bettler, aber ich bin von Zeit zu Zeit da, jedes Mal mit einer anderen Aufgabe.

 

Gestern Abend hatte ich einen Traum ", fuhr er fort, "in dem mich ein Engel bat, heute an diesem Ort und zu dieser Zeit zu betteln. Es würde jemand kommen, der mir nicht Geld, sondern etwas anderes anbieten würde. Und der Engel bat mich, das zu akzeptieren, weil ich mit diesem Mann über die Energie von Weihnachten sprechen sollte.

 

Wie ich es sehe," fuhr der Bettler, der eigentlich keiner war, fort, " Weihnachten ist immer mit Frieden verbunden. Aber Frieden ist nur möglich, wenn es auch wahre Liebe gibt. Frieden auf Erden beginnt mit Frieden im eigenen Herzen. Ihr habt Frieden in eurem Herzen, wenn ihr alles annehmt, was auf eurem Weg erscheint, wenn ihr alles akzeptiert, was Ihnen begegnet, wenn Sie keine Erwartungen haben und an nichts anhaftet, in dem Sinne, dass es nichts mehr gibt, was Sie nicht mehr loslassen können. Wenn Sie das alles erkannt haben, lieben Sie bedingungslos, weil Sie jeden einzelnen in seiner Göttlichkeit sehen und erkennen. Dann leben Sie bedingungslose Liebe, lebe deshalb nur im Hier und Jetzt und so auch in der Wirklichkeit, denn dann sind Sie Sich bewusst, wer Sie sindt: Gott. Auch Gott. Ich musste auch noch diese Botschaft geben: an Sie weitergeben: Seien Sie bedingungslose Liebe.”

 

“Und wie soll ich das machen?", fragte der Pilger.

 

“Ja, wie macht man das?", sagte der andere. “Schließen Sie ihre Augen, konzentriere Sie sich auf ihre Atmung und werden Sie innerlich ganz still. Sie spüren dann, dass Sie immer tiefer und tiefer in ihr Herz hineinkommen, bis es langsam Licht wird. Licht in ihrem inneren Raum, Licht in ihrem Herzen. Sie fühlent und sehen dann den Palast Gottes im Licht eurer eigenen Seele. Trete in dieses Licht hinein. Sie sind dann in jenem Palast, in dem Frieden und Stille herrschen, aber vor allem die Energie der bedingungslosen Liebe. Hier werden Sie wirklich glücklich sein. Baden Sie jeden Tag in diesem Licht, atmen Sie es ein und füllen Sie ihr ganzes Wesen damit, denn Sie werden hier auch die Antworten auf all ihren Fragen finden. Liebe bedingungslos, sei bedingungslose Liebe und nicht nur an Weihnachten, sondern jeden Tag und dann ist eure Suche endgültig zu Ende.